30. März, 2008...16:46

Was Überwachung und Frösche miteinander zu tun haben

Zu den Kommentaren

Ich habe ein gutes Video gefunden, in dem kurz und leicht verständlich die Etablierung eines Überwachungsstaates gezeigt wird. Doch seht selbst:

2 Kommentare

  • Das Video ist in der Tat eine gute Lektion für Wachsamkeit, aber die Angelegenheit ist nicht so eindeutig wie dargestellt: Überwachung vergrößert nicht nur den Konformitätsdruck, sondern sie kann auch die Inanspruchnahme von Bürgerrechten schützen, wie z.B. freie Meinungsäußerung oder Nutzung von Informationen, weil sie Repressalien als Reaktionen darauf öffentlich macht. Um es plakativ auszudrücken: Mir ist die Radarfalle (= Überwachung) lieber als der Raser, der andere Verkehrsteilnehmer niedermäht. (Mir) gänzlich unverdächtige (Vor-)Denker wie Frederik Vester haben gar kein Problem damit, den individuellen Entscheidungsspielraum (beim Autofahren) zum Wohle aller sogar einzuschränken, nicht nur zu überwachen. Ähnlich schätze ich die Situation bei Aktivitäten im virtuellen oder öffentlichen Raum ein. Konformität erscheint hier plötzlich zumindest nicht nur negativ: Ich will tatsächlich, dass kein Mensch seine non-konformen, aggressiven Impulse in einer U-Bahn ausleben kann. Wenn eine Kamera dies verhindern kann, bin ich dafür. Wenn mir die Kamera dabei zuschaut, wie ich aufs Klo gehe oder dusche, sehe ich keinen Vorteil für das Gemeinwohl darin. Das ist pure Schikane. Analoges gilt fürs Web, denke ich.

    Nicht uninteressant auch, dass die Positionierung gegenüber Datenschutz stark kulturell geprägt ist: In skandinavischen Ländern ist die Berührungsangst bei weitem nicht so hoch wie bei uns.

  • Ihrer Argumentation nach ist die Konformität in Bezug auf das Miteinander von Menschen nichts negatives. Derselben Meinung bin ich auch. Aber das „Überwachtsein“ deswegen als positiv hinzustellen, da man im Falle des Falles dann Gebrauch von seinen Rechten machen kann, ist etwas zu unreflektiert. Um ebenfalls plakativ zu werden, und ihre Argumentation zu verwenden: Auf Klos sind weniger andere Menschen als in der U-Bahn. Im Ernstfall werden diese gemeinsam mit Opfer eines „agressiven Impuls“ für Repressalien gegen den Täter sorgen. Aber was tun alleine auf dem Klo, ohne Kameras?

    Die Sicherheit durch die Kameras in der U-Bahn wird allerdings teuer erkauft. Denn alleine das Bewachtsein verändert das Verhalten, und das hauptsächlich nicht in diesen Extrembeispielen, die Sie verwenden.

    Hier muss man vorallem die Sinnhaftigkeit von Überwachungsmöglichkeiten diskutieren, und dann die negativen Auswirkungen dagegen aufwiegen.


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