Beim surfen im Weltnetz bin ich von einem Verweis einer politisch rechten Heimatseite auf den Netzauftritt der “Stiftung deutsche Sprache” gekommen. Es tut mir fast leid, dass sich so einer Initiative Beachtung schenken muss, aber ich habe ein paar Anregungen dazu zu sagen/schreiben. Wer sich schon mal mit Rechten unterhalten hat, wird vielleicht daraufgekommen sein, dass sie so komische Wörterverwendet haben, wie ich sie im ersten Satz.
Die Stiftung hat auch eine Wortarchiv mit Anglizismen erstellt und die dann mit Vorschlägen aus dem Deutschen Wortschatz versehen. Ob die Kuratoren (ausschließlich Männer) wissen, dass Archiv aus dem Latein kommt? Zu den Unterstützern ist auch zu sagen, dass darunter viele Pädagogen mit etwas eigenartigen Publikationen sind.
Zum Schluss noch eine Frage: Wieso haben die, die am lautesten gegen eine “Verschmutzung” unsere Sprache schreien und das als Symbol für die “Verfremdung” sehen, so ein Problem mit geschlechtergerechte/-sensible/-neutrale Formulierungen?


3 Kommentare
8. April, 2008 um 14:12
Die Stiftung deutsche Sprache und der Verein deutsche Sprache (Prof. Walter Krämer) sind weder zwielichtig noch rechts.
Ich selbst bin alter Alice-Schwarzer-Fan (EMMA) und seit zwei Jahrzehnten in der geschlechtersensiblen Jungenarbeit tätig.
Geschlechtersensibel? Der Begriff und die dahinter stehenden wenig demokratischen Seilschaften sind leider seit einem Jahrzehnt verkommen zum seichten Geschwafel, zur ‘als-ob-Veranstaltung’, zum modischen Phantom.
‘Geschlechtergerechte Wortwahl’: Du sagst leider nicht welche Schreibweise du gerne hättest, etwa
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SchülerInnen oder
politisch korrekt, optisch-ästhetisch schrecklich
Schülerinnen und Schüler
Bürgerinnen und Bürger
finde ich gut, in feierlichen Ansprachen, Grußworten
Schüler
(generisch maskulin)
finde ich praktisch, ich füge im ersten Absatz ein
*der Einfachheit (…) Mädchen und Jungen sind gemeint (…)
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Kleine Irritation: “Lieber Gast!”, eine Gastin gibt es nämlich nicht, du würdest, nehme ich an, auf ‘Gästinnen und Gäste’ verzichten. “Feindin” hingegen finde ich klasse und benutze es oft.
Geschlechtergerecht? Bei uns sind das DIE Soziologinnen, die vor multikultureller (karriereorientiert sorgsam kalkulierter) Begeisterung mit den islamistischen textlilen Gefängnissen ‘Tschador’ und ‘Burka’ kein Problem haben.
Oft ist es eine kriecherisch angepasste Frömmelübung, die hinter sprachlicher Geschlechtergerechtigkeit steckt. Echter Gleichheitsfeminismus und Betonung der universellen Menschenrechte bleiben auf der Strecke.
Du bist noch jung. In zehn Jahren wirstdu denken und schreiben wie ich.
Das Anliegen des VdS unterstütze ich und meine, du solltest dich mit dem VdS beschäftigen, da du mit dem Werkzeug Sprache umgehst (und das talentiert). Also … ich werbe dich hiermit an, in den Verein deutscher Sprache einzutreten.
Mit freundlichen Grüßen aus
Nordrhein-Westfalen (Deutschand)
Jacques Auvergne
8. April, 2008 um 14:25
Binnen-I (SchülerInnen! MenschInnen?)
Meine Freundin Ümmühan Karagözlü
macht`s (manchmal) noch interessanter, provokanter,
sie benutzt dann AUSSCHLIEßLICH die
WEIBLICHE Schreibweise, macht* und
*Fußnote: “Männer sind selbstverstädlich
mit gemeint”.
Damit hat sie schon so manchen Professor
zum kochen gebracht, lest`s selber unter
http://maedchenarbeit.blogspot.com/2007/11/meine-lteren-posts-und-andere.html
8. April, 2008 um 20:25
Liebe Jacques Auvergne,
freut mich, dass meine Artikel bis nach Deutschland durchdringt.
Ich versuche einmal Stück für Stück deine Informationsflut durchzugehen:
- Ich zähle mich nicht zu denjenigen, die dem VdS nationalsozialistische Propaganda, ähnlich der Naziorganisation “Allgemeinen Deutschen Sprachvereins”, vorwerfen. Allerdings dürfen und können wir auf keinen Fall die selben ideologischen Wurzeln nicht leugnen. Ich stimme in diesem Teil mit Detlev Mahnert überein, der übrigens unter http://detlev-mahnert.de/linke-vds-kritik.html einen guten Aufsatz darüber verfasst hat.
Ich habe nie behauptet, dass der VdS “zwielicht” ist, aber Du musst dir eingestehen, dass die Verwendung von rein deutschen Wörtern einen gewissen politischen Drall besitzt.
Heißt “alter” Alice Schwarzer-Fan (übrigens ein Wort aus dem Englischen), das befürworten ihres Denken von vor einiger Zeit, oder deren Ansichten heute?
Nur kurz zu den Persönichkeiten des VdS:
+Prof. Walter Krämer
Vorsitzender des „Vereins deutsche Sprache e.V.“
FDP-Mitglied
+Helmut Schäfer
Staatsminister im Auswärtigen Amt a. D. (FDP)
+Dr. Norbert Lammert
Bundestagspräsident (CDU; rechter Flüge)
- Ich habe keineswegs die Absicht, “modischen Phantomen”, wie Du es nennst nachzulaufen oder gar diese zu unterstützen. Dass Sprache Bewusstsein schaft, über das brauchen wir uns wohl nicht streiten.
- Nichts für ungut, ich hoffe dass ich in 10 Jahren nicht allzu opportunistisch bin. Trotzdem steht noch die Frage im Raum – auch wenn ich sie im ursprünglichen Eintrag etwas polemisch formuliert habe – warum ihr das Wort “Archiv” benutzt. Ist die Relevanz von Populismus und Antiamerikanismus für Euch wichtiger als eine fundierte Idee?
-Zu meine Präferenzen für die Art der geschlechtergerechten Formulierungen: Wie gesagt, ich finds nur wichtig, dass eben beide Geschlechter vorkommen – die Art und Weise ist zweitrangig. Trotzdem finde ich den Vorschlag deiner Freundin interessant – ich werde ihn später selbst in die realität umsetzen.
- Und zuletzt noch; wenn Du dich wirklich mit geshclechtersensibler Jugendarbeit auseinandersetzt, warum ziehst Du dann dermassen polemisch über das Binnen-I her.
Liebe Grüße nach Deutschland
Aaron
PS: Das mit mit dem Eintritt in den VdS überleg ich mir noch ;-)