In Athen wurde ein linksextremer Jugendlicher bei einer gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei von einem Querschläger eines Warnschusses tödlich getroffen. Dieser polizeilichen Darstellung stehen AugenzeugInnenberichte entgegen, die weder eine gewalttätige Auseinandersetzung noch Warnschüsse gesehen haben, nur einen gezielten Schuss auf Alexis, das Todesopfer. Nach diesem Todesfall (übertrieben objektiv formuliert) kam es zu Ausschreitungen der linksautonomem Szene, Banken und Geschäfte brannten, Bildungsinstitutionen wurden besetzt. Ein paar SchülerInnen streikten. Dies ist die offizielle Darstellung in unseren Medien. Wenn auch in diesem Fall ab und an durchaus kritisch über die griechischen Zustände berichtet wird, „übersehen“ unsere Redaktionen einiges.
Griechenland wird von einer konservativen Regierung geführt, das Land steht vor Problemen mit sehr hohen Arbeitslosenquoten. Schlechte Bildunsgeinrichtungen, Selektion in private und staatliche Instituionen und politische Misswirtschaft führten zu einem explosivem Gemisch in den Köpfen der Jugendlichen. Es zeichnete sich eine zunehmende Radikalisierung der jungen Menschen ab, der repressive Staat wehrte sich mit einer Polizei, deren Führungsposten oftmals noch mit Köpfen aus der ehemaligen Militärjunta besetzt sind oder aber durch das richtige Parteibuch zu ihren Job kamen. Weiters gilt die griechsiche Polizei als gewalttätig, viele NGOs kritisierten ihre Aktionen. Der für den Tod von Alexis verantwortliche Polizist hatte laut eines griechischen Radiosenders eine Faible für hartes durchgreifen und trug deswegen des Spitznamen „Rambo“.Die anfängliche Ohnmacht schlug immer mehr in Wut um. Das Viertel Exarchia, in dem Alexis erschossen wurde, galt – oder gilt machen untertags noch immer – als intellektueles Viertel, mit Bio-Cafes und Buchläden. Jedoch ist es auch Zentrum der linksautonomen Szene, angeblich „traut“ sich die Polizei nächtens nur mehr in Zivil dort vorbeizuschauen.
Doch die gerade stattfindenen Proteste sind nur der Gipfel einer jahrelangen Entwicklung: Es gab immer wieder Proteste für mehr Bildungschancen, die SchülerInnen Griechenlands protestierten zuerst für Gerechtigkeit an den Schulen, später für dasselbe an den Unis und Hochschule. Doch die Regierung hat auch Kürzungen des Pensionssystem auf dem Programm. Kurzum: die Menschen kämpfen in Griechenland schon lange für eine lebenswürdige Zukunft. Der Tod Alexis’ brachte das Fass nur zum Überlaufen. Das letzte Wochenende war geprägt von friedlichen Demonstrationen mit zehntausenden Maschierenden, aber auch Zerstörungsaktionen gegen Banken und Geschäfte. In den Medien wird natürlich vor allem von den gewalttätigen Ausschreitungen berichtet.
Gewalt gegen staatliche Ordnung ist nur in autoritären Ländern zweckmäßig. Andernfalls legitimiert sie nur das herrschende System. In Ländern mit stark ausgeprägtem repressivem Polizeistaat wird diese Diskussion schwieriger. Aber die Ohnmächtigkeit der Jungend anblicks dunkler Zukunfstaussichten und gegenüber dem politischen System muss zumindest auf Verständis stoßen. Heute wird Alexis begraben, morgen findet ein bereits vor dem Todesfall angegkündigter Generalstreik statt. InsiderInnen meinen, die Regierung steht vor dem Sturz. Mein Beileid gilt den Verwandten und Bekannten Alexis’, meine Solidarität den Protestierenden.


2 Kommentare
10. Dezember, 2008 um 20:37
Solange das Wort „Staat“ überhaupt mit etwas „Positivem“ in Verbindung gebracht wird habt Ihr alle keine Chance. Denn was Ihr „Staat“ nennt, ist eine Fiktion, ein Märchen – in Wahrheit ist das die Truppe der Macht- und Geldgierigen Idioten welche mit Hilfe der faulen und bequemen, aber anspruchvollen „Bürger“ das ganze „System“ darstellen. Machhaber, Helfershelfer und bougoise Trotteln. Hier gibt es nichts mehr zu diskutieren.
10. Dezember, 2008 um 22:08
Ich muss anscheinend nicht alles verstehen. Es gibt weder den Staat den ich mir wünsche, noch behaupte ich, dass dieser nicht korumpiert und auf der Seite der Stärkeren ist, oder?