Archiv der Kategorie 'Bildung'

So wie du mir, so ich dir?

Gleich zu Anfang: Ich sehe ein den freien Hochschulzugang und das damit verbundene gebührenfreie Studium als einen von vielen wichtigen Wegen, sozialer Selektion entgegenzuwirken und um die vertikale Mobilität innerhalb einer Gesellschaft zu fördern.

Weiters finde ich Ethikunterricht und den damit verbundenen interreligiösen Dialog sinnvoller als, leider noch immer vorkommende, katholische Schwarz-Weiß-Malerei.

Allerdings will ich eher auf Verwandtes verweisen: ÖVP-Bildungssprecher Neugebauer erarbeitete unabgesprochen mit der Koalitionspartnerin SPÖ einen Initiativantrag zur Einführung des Ethikunterrichts. Dafür hat der Wissenschaftssprecher der SPÖ, Josef Broukal, jetzt einen gegen Studiengebühren verfasst, zum “in-peto-haben”.

Ein Fall fürs nächste Rabenhoftheater.

www.schul-wiki.at

Die Idee zu www.schul-wiki.at ist letztes Jahr entstanden, mittlerweile befindet sich sich schon in der Umsetzung; In aller Kürze und Würze um was es geht: Nach dem wikipedia.org Prinzip wird wissenswertes rund um SchülerInnenvertretung, Schulrecht, Projekte und alles andere rund um den Schulalltag zur Verfügung gestellt. JedeR kann sich partizipieren und Artikel hochladen. Je mehr sich beteiligen, desto sinnvoller wird das Ganze!

Beeindruckend

Die ÖVP-Steiermark ist zwar dafür bekannt, dass sie der liberale Flügel innerhalb der eigenen Partei ist, aber dieser Vorstoss ist mir doch ein Kommentar wert: Die ÖVP-Landesschulrätin Steiermarks Edlinger-Ploder setzt sich für die Ganztagsschule ein UND meint, dass die Neue Mittelschule “bloss eine Aufwertung der Hauptschule ist”. Hierzu sei noch kurz gesagt: Es kommt nicht wirklich oft vor, dass der Landesschulrat nicht von der Partei geführt wird, die auch den Landeshauptmann/die Landeshauptfrau stellt - das wäre in der Steiermark nämlich die SPÖ.

 Allerdings unterstützt sie auch die Forderung von Bildungsministerin Schmied, wonach sich die DirektorInnen die LehrerInnen aussuchen sollten. Ich würde da eher bei der Ausbildung, vor allem was pädagogische Fähigkeiten, Konfliktmanagment und die Praxisnähe betrifft, ansetzen. Wenn sich die einzelnen Schulen an der LehrerInnenauswahl partizipieren dürfen - was ich grundsätzlich nicht für schlecht halte - dann sollte eher der Schulgemeinschaftsausschuss etwas mitzureden haben. Denn, dass DirektorInnen (bis auf einige wenige) eine ziemlich hohe “Parteizugehörigkeitsrate” aufweisen, ist wohl bekannt. 

Das SchülerInnenvertretungsystem in Österreich

Nachdem ich jetzt eine Anfrage per Mail bekommen habe, wie ich Landesschulsprecher wurde und ich das auch des öftern in der realen Welt gefragt bekomme, habe ich mich entschlossen das kurz hier zu erklären. Am Anfang sei gesagt: Österreich ist das einzige Land, in dem die SchülerInnenvertretung gesetzlich festgeschrieben und geregelt ist.

Alle SchülerInnen ab der 9. Schulstufe (ausser Politechnische Schulen) wählen eine SchülerInnenvertretung (SV) an ihrer Schule. Diese besteht aus dem/der SchulsprecherIn und zwei StellvertreterInnen, dazu noch drei Ersatzmitglieder. Die SV ist grundsätzlich die Verhandlungspartnerin für DirektorInnen, LehrerInnen und für Projekte an der Schule zuständig. weiters sitzen die ersten drei SVlerInnen mit drei Eltern- und drei LehrervertreterInnen im Schulgemeinschaftsausschuss (SGA). Dort können zum Beispiel die Hausordnung verändert werden, Projektwochen beschlossen werden oder seit dem Ausbau der Schulautonomie auch Lehrplanänderungen durchgeführt werden.

Soweit ist das den meisten SchülerInnen wohl bekannt, dann nämlich beginnt das System zu schwächeln: Ab der LandesschülerInnenvertretung (LSV) aufwärts wird nur mehr von der jeweils unteren Ebene gewählt (wenn überhaupt). Das heißt, die LSV wird nur mehr von den SchulsprecherInnen gewählt. Kandidieren dürfen allerdings die zwei StellvertreterInnen als auch der/die SchulsprecherIn. Die LSV ist in drei Bereiche gegliedert: AHS (Allgemein-Bildende Höhere Schulen; zB Gymnasium, BORG), BMHS (Berufsbildende-Mittlere und Höhere Schulen; zB HAK, HTL, BAKIP, …) und BS (Berufsschulen; also Lehrlinge).

In jedem Bereich gibt eineN LandesschulsprecherIn und eineN StellvertreterIn, und je nach Größe des Bundesland zwischen zwei und sechs LandesschülervertreterInnen (in Oberösterreich sind es sechs). Auch hier gibt es in jedem Bereich Ersatzmitglieder, nämlich acht an der Zahl. Die LSV koordiniert landesweite Projekte, vernetzt die SchülervertrerInnen und vertritt die SchülerInnen vor dem Landesschulrat.

Die BundesschülerInnenvertretung (BSV) wird gar nicht mehr gewählt, ebensowenig wie der Bundesschulsprecher. Diese würfelt sich aus allen LandesschulsprecherInnen aus Österreich (also 3 aus jedem Bundesland macht 27) plus zwei VertreterInnen der Zentrallehranstalten (ZLAs) zusammen. ZLAs sind Schulen, die dem Ministerium direkt unterstellt sind, weil das Konzept von ihnen sich bis auf die Zeit von Maria Theresia zurückführen lässt - so circa 300 Jahre, allerdings keine Seltenheit für Österreichs Bildungssystem. Das macht summa sumarum 29 Personen, die den/die BundesschulsprecherIn nur mehr “entsendet”. Dieser wird unterstützt von drei BereichssprecherInnen, auch StellvertrerInnen genannt, jeweils eine Person aus AHS, BMHS und BS-Bereich. Die BSV ist die Verhandlungsebene vor dem Bildungsministerium und koordiniert österreichweite Projekte und Vernetzungsmöglichkeiten.

Alle Ebenen der SchülerInnenvertretung werden für ein Schuljahr gewählt.

Aus dem System wird klar, warum die meisten SchülerInnen (übrigens die größte Berufsgruppe Österreichs!) ihre landes- und bundesweite Vertretung nicht kennen. Man kann sich das so vorstellen, als würden die BürgermeisterInnen unsere (Landes-)Regierungen wählen. Doch wie es aussieht, wird sich in nächster Zeit an diesem System nicht viel ändern.

Apropos Schmied

Ich bin mit der Bildungsministerin am 17. April bei einer Diskussion in Linz auf dem Podium.

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Hauptsache keiner Meinung.

Bildungsministerin Schmied (SPÖ) schlug (endlich) vor, das “zersplitterte” Angestellungssystem bei den LehrerInnen zu ändern. Das bedeutet, dass das gesamte Lehrpersonal vom Bildungsministerium bezahlt wird. Bis heute werden nämlich die Lehrpersonen für die Volks-, Haupt- und Polytechnischen Schulen vom Land, doch die die PädagogInnen aus den Gymnasien und Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen vom Bund. Das Geld für erstere kam aber schon aus dem Bund. Ich bin sowieso kein Freund des Förderalismus, aber dadurch entsteht auch ein langer Weg der Bürokratie und dies schafft unklare Verhältnisse.

Allerdings kann solch eine Änderung nur mit dem Einverständnis der Länder geschehen, da der Bundesrat in diesem Fall absolutes Vetorecht besitzt. Flugs formte sich der Widerstand einiger ÖVP-regierten Bundesländer, namentlich Tirol, Oberösterreich und Vorarlberg. Der Landeshauptmann aus Tirol, Herwig van Staa, möchte die Pläne von Schmied sogar umdrehen: Alle LehrerInnen sollen von den jeweiligen Ländern bezahlt werden. Also der Bund würde das Geld an die Bundesländer überweisen und die zahlen dann die Löhne. Sehr sinnvoll.


Nur weil ich die Realität nicht ausstehen kann, bin ich noch lange keine Realitätsverweigerer.

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