Archiv der Kategorie 'Gleichberechtigung'

Fuck your Gender II - MKV

Obwohl ich geplant habe, dieses Projekt nicht jeden Tag zu behandeln, hat das ein Ereignis heute anders entschieden; Ich wurde zwar schon von diversen Bekannten darauf hingwiesen, aber das direkte Studium des gedruckten Textes traf mich zu hart, um mich hier nicht zu beschweren. Doch bevor ich um den heiße Brei herumrede: Es geht um einen Artikel der Zeitschrift “Couleur”, herausgegeben vom Mittelschüler-Kartell-Verband (MKV). Der MKV ist ein katholischer und schwerst patriotischer Männerbund. Erst kürzlich wurde die Aufnahme von Frauen in die “Verbindung” abgelehnt, und sonst auch nicht gerade der emanzipierte Verein. Und das oben erwähnte Druckwerk erhalten eben alle SchulsprecherInnen zugesandt. Hier kann es auch downgeloadet werden (Ausgabe 2/2008 - Seite 30).

Doch zum Inhaltlichen, konkret geht es ums Thema Frauen im Allgemeinen: Ein relativ plumper Einstieg, bei dem die katholische Keule ausgepackt worden ist: “Kein Mann wäre auf de strunzendämliche Idee gekommen, in den saftigen Apfel zu beißen, der ihm von einer lispelnden Schlange angeboten wird.” Ist mir jetzt ehrlich gesagt zu blöd, mich auf Bibel-Niveau zu streiten, aber für den Zusammenhang ist es wichtig. Denn der Autor Christian Dusek behauptet im nächsten Absatz, die “Rippen-Geborenen” hätten es nicht sonderlich mit Autoritäten und die “Erstschöpfung” die meiste Zeit damit verbrachte, “Frauen die Bedeutung von Respekt nahezubringen”. Dass der Zweck alle Mittel heiligt, nämlich “Nagelkeulen und Kücheneinrichtung” ist eh klar, oder?

Abgesehen davon, dass die Argumentation mehr als hinkt, ist dies zutiefst frauenfeindlich und auch auch menschenverachtend: Hier wird davon ausgegangen, dass Menschen anderen aufgrund von Körpermerkmalen anderen unterworfen werden müssen, und das durchaus mit Gewalt. Da im Impressum nicht anders angemerkt, darf ich einmal davon ausgehen, dass diese Meinung auch Meinung des MKV ist!?

Doch es geht noch besser - viel besser: Es wird behauptet, übergewichtige Frauen (”feminine Öltanker”) weniger auf die Ant-Baby-Pille ansprechen. Ob das stimmt, ist nebensächlich, ich hab es auch nicht recherchiert. Aber das diese deswegen “fatale Gebärmaschinen” seien, und alle Schwangeren Geld kosten (natürlich nur den armen Männern), ist schlicht und einfach falsch. Ich versuche, diesen Schwall an Polemik und Sexismus einmal mit Rationalität entgegenzukommen:

1) Liebe Kameraden, ihr stehts euch eh so auf Latein, sprich ihr müsstet wissen, dass fatal soviel wie “tödlicher Ausgang” bedeutet. Und gebären zum Glück und in der Regel selten mit dem Tod endet. Soviel zur Wortklauberei.

2) Und das Schwangere auf den ersten Blick Geld kosten ist wohl klar. Aber das sicher nicht nur Männer, sondern auch allen anderen - Stichwort Sozialstaat.

3) Jetzt noch etwas, einfach und zum Mitschreiben: Ohne Schwangere, selten Babies. Ohne Babies, keine Jugendlichen. Ohne Jugendlichen,… . Genau irgendwann sind keine Leute mehr da. Schon komisch, oder?

Bevor ich selbst die Erde um mich mich Ironie und Spott aufweiche, um in diesem Sumpf zu versinken, kommen wir zum inhaltlichen Höhepunkt des Artikels: Dem Lösungsvorschlag des Autors. Ein Loch würde genügen. Aber tief muss es sein. Und jetzt wirds faschistoid, nämlich sollen die “thematisierten Frauen” (übergewichtige, Anm.) da hineingeworfen werden. Dann wird einige Millionen Jahre gewartet und “das Erdölproblem ist dann auch für lange Zeit gelöst”.

Naiv gefragt: Der MKV hält es durchaus für gerechtfertigt, übergewichtige Frauen zu töten? Und der MKV weiß schon, wer das letzte Mal Menschen als Rohstoffe verwendet hat? Oder ist das in MKV-Augen “lustig”?

PS: Ich habe denen diese Abhandlung mal per E-Mail geschrieben und werde die Antwort hier veröffentlichen.

Fuck your Gender I

Ich werde unter diesem Motto ab jetzt eine kleine aber feine Reihe publizieren.

Heute: Die Junge ÖVP hat sie nicht alle

Die Junge ÖVP (JVP) war in letzter Zeit öfters in den (Bundes-)Medien. Zum Beispiel durch Orgien, namentlich “Orgasmus-Parties” in der Steiermark oder in Vorarlberg zeigten AktivistInnen den sogenannten “Kühnen-Gruß” in die Kameras. Andere PoltikerInnen bestellen damit Bier.

Doch um zum eigentlichen Thema zu kommen: Die JVP Wien macht so tolle, richtig jugendnahe Kampagnen. Da ja Bilder bekanntlich mehr sagen als tausend Worte, hier das erste Sujet:

Doch die JVP Wien macht auch inhaltliche Sachen, zum Beispiel zum Thema E-voting (Wählen übers Internet). Abgesehen davon, das E-Voting nicht gerade ein demokratiepolitischer Fortschritt ist, weil die Stimmen nicht nachzählbar sind, hier das beste Plakat:

Zur Sprache

Beim surfen im Weltnetz bin ich von einem Verweis einer politisch rechten Heimatseite auf den Netzauftritt der “Stiftung deutsche Sprache” gekommen. Es tut mir fast leid, dass sich so einer Initiative Beachtung schenken muss, aber ich habe ein paar Anregungen dazu zu sagen/schreiben. Wer sich schon mal mit Rechten unterhalten hat, wird vielleicht daraufgekommen sein, dass sie so komische Wörterverwendet haben, wie ich sie im ersten Satz.

Die Stiftung hat auch eine Wortarchiv mit Anglizismen erstellt und die dann mit Vorschlägen aus dem Deutschen Wortschatz versehen. Ob die Kuratoren (ausschließlich Männer) wissen, dass Archiv aus dem Latein kommt? Zu den Unterstützern ist auch zu sagen, dass darunter viele Pädagogen mit etwas eigenartigen Publikationen sind.

Zum Schluss noch eine Frage: Wieso haben die, die am lautesten gegen eine “Verschmutzung” unsere Sprache schreien und das als Symbol für die “Verfremdung” sehen, so ein Problem mit geschlechtergerechte/-sensible/-neutrale Formulierungen?


Nur weil ich die Realität nicht ausstehen kann, bin ich noch lange keine Realitätsverweigerer.

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